Das war das Medienhaus/NEXT/ 2026

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Medienhaus/NEXT/ 2026: Orientierung in Zeiten der Transformation

Welch ein Jubiläum: Zum 20. Mal wurde das Medienhaus/NEXT/ in diesem Jahr zum Treffpunkt für die Branche. Über 80 Teilnehmende aus der Verlagswelt kamen bei der Süddeutschen Zeitung zusammen, um über die Zukunft des Journalismus zu diskutieren. Die Atmosphäre war wie gewohnt offen, engagiert und von dem gemeinsamen Anspruch getragen, den allseits spürbaren Wandel der Branche nicht nur zu begleiten, sondern aktiv mitzugestalten.

Im Mittelpunkt der diesjährigen Fachtagung stand eine zentrale Erkenntnis: Die Medien befinden sich nicht nur in einer weiteren Phase der Digitalisierung, sondern müssen sich ein Stück weit neu erfinden.


Zwischen Druck und Zuversicht

Den Auftakt machte Johannes Hauner, Geschäftsführer der Süddeutschen Zeitung, mit einer Einordnung der aktuellen Lage. Seine zentrale Botschaft: Selten war die Arbeit in den Medien zugleich so herausfordernd und so chancenreich.

Angesichts von Multikrisen, geopolitischen Umbrüchen und technologischen Entwicklungen wie Künstlicher Intelligenz stehen Medienhäuser vor grundlegenden Fragen: Wie verändern sich Geschäftsmodelle? Wie müssen Angebote weiterentwickelt werden? Und wie lässt sich Vertrauen in einer zunehmend skeptischen Öffentlichkeit gewinnen? Trotz dieser Herausforderungen plädierte Hauner für einen selbstbewussten Blick auf den Wandel. Seine Beobachtung: Die Branche vollzieht die Transformation inzwischen deutlich schneller als früher und ist zugleich offener und stärker auf Chancen ausgerichtet. Genau daraus leite sich auch Zuversicht ab: Wir sind eine Branche der Optimisten, so sein Fazit.


Die neue Rolle der Medien

In der anschließenden Keynote zeichnete Ladina Heimgartner (Head Media Ringier, CEO Ringier Medien Schweiz und Mitglied des Group Executive Board) ein klares Bild der aktuellen Entwicklung: Wir erleben die dritte digitale Disruption in drei Jahrzehnten – doch diesmal verändert sich nicht nur das Handwerk, sondern die Art, wie Menschen sich in der digitalen Welt orientieren.

Medienhäuser stehen damit vor einer zentralen Aufgabe: Sie müssen ihre Rolle neu definieren. Weg vom reinen Informationsanbieter, hin zum Orientierungsgeber.

Gefragt sind heute vor allem Einordnung, Vertrauen und Zugänglichkeit. Gleichzeitig wird der menschliche Faktor zum entscheidenden Differenzierungsmerkmal – gerade in Zeiten von KI. Journalismus bleibt damit eine zutiefst menschliche Aufgabe.


Die zentralen Themen des Tages

Neben den Keynotes bot das Medienhaus/NEXT/ ein breites inhaltliches Programm, das die aktuellen Herausforderungen und Chancen der Branche aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtete:

So stellte Journalismus-Professor Klaus Meier von der Katholischen Universität Eichstätt die Frage: „Wie bleibt Journalismus im digitalen Schlamm sichtbar?“ Seine Antwort: indem Menschen den Medien vertrauen. Und dieses Vertrauen ist stabiler, als oft behauptet wird. Mit Verweis auf die Mainzer Langzeitstudie Medienvertrauen machte Meier deutlich, dass die häufig beschworene Vertrauenskrise vor allem jene betrifft, die Medien ohnehin ablehnen. Für die breite Bevölkerung lässt sie sich so nicht belegen. Im Gegenteil: 47 Prozent der Befragten vertrauen den etablierten Medien eher oder vollkommen, nur 20 Prozent äußern Misstrauen. Das zeigt: Das Medienvertrauen ist insgesamt belastbarer, als die öffentliche Debatte oft vermuten lässt.

Im anschließenden Talk „Journalismus im Wandel: Chancen und Risiken“ betonte Kai Röhrbein (VDL und Walsroder Zeitung), dass man die Rolle, die die Medien in der Demokratie haben, wieder erklären müsse. Das würde auch die Zahlungsbereitschaft erhöhen. René Hofmann (Süddeutsche Zeitung) stellte Formate vor, die genau dies tun – unter anderem mit Events rund um die letzte Kommunalwahl. Aber, so die Frage von Moderator Markus Schöberl: Ist es machbar, unser Geschäftsmodell auf persönliche Begegnung auszurichten, trotz Kostendruck? Eine Lösung zeigte Cordula Schmitz (Hamburger Abendblatt) auf, indem in ihrem Haus Veranstaltungen ins Digitale verlängert werden.


Loyalty und Community – Treue im Wandel der Transformation

Ein besonderer Fokus lag auf der Frage, wie Medienhäuser langfristige Beziehungen zu ihrer Nutzerschaft aufbauen und erhalten können. Loyalität entsteht heute nicht mehr allein durch Inhalte, sondern durch echte Bindung: durch Dialog, Beteiligung und das Gefühl, Teil einer Community zu sein. Mit dem BonusClub des Medienhaus Lüneburg und der App StadtMAX der Kölner Stadt-Anzeiger Medien gab es gleich zwei spannende Use-Cases, die zeigen, wie dies gelingen kann. Beide basieren auf der Loyalty- und Engagement-Plattform voucher.one.

Im Anschluss machten auch Kevin Kallenbach (ferret go) und Thomas Szász (für Piano Software) deutlich, dass Reichweite allein für Medienhäuser nicht mehr ausreicht. Entscheidend sei heute der direkte Kontakt zum Publikum. Community werde damit nicht zum Zusatz, sondern zum festen Bestandteil des Produkts.

Wie die noz/mh:n MEDIEN mit Communitymanagement und KI das Nutzungserlebnis im Lokaljournalismus weiterentwickelt, zeigte Louisa Riepe. Im Mittelpunkt standen drei Ansätze: der KI-gestützte Chatbot „frag noz“, der verlässliche Antworten auf Basis eigener Inhalte liefert, die Community-Plattform „LokalPuls“, über die Nutzerfragen direkt in die redaktionelle Arbeit einfließen, sowie „360° | Das Forum“ als moderiertes Debattenformat zwischen Redaktion und Community. Ihre zentrale Botschaft: KI macht Journalismus zugänglicher, Community macht ihn relevanter.


Spielerisch Beziehung stärken

In der Session zu KI und Gamification zeigte zunächst Johannes Sommer (Retresco), wie Chats im lokalen Journalismus dabei helfen können, das Nutzererlebnis zu stärken und gleichzeitig Informationen über Leserinteressen für die Redaktion zu generieren. Petra Schwegler vom MedienNetzwerk Bayern gab einen Überblick über den wachsenden Gaming-Markt und betonte in Bezug auf Relevanz für Medien: „Wir brauchen gute Gründe, warum wir Medien nutzen. Und wenn etwas Spaß macht, dann haben wir noch mehr Gründe.“ Korbinian Vielmeier-Thiede aus dem Digitalteam der Süddeutschen Zeitung machte deutlich, dass Bindung mitunter ganz spielerisch entsteht. Die Traditionsmarke bietet inzwischen neun feste Rätsel in ihrer App an, darunter Sudoku und das inzwischen schon legendäre Wordle der New York Times in deutscher Lizenz. Die Nutzungszahlen steigen, die Community tauscht sich aus, und über die Rätsel finden auch neue Zielgruppen zur Marke.


Austausch, Begegnung und gemeinsamer Ausklang

Neben den inhaltlichen Impulsen stand vor allem der persönliche Austausch im Mittelpunkt. Beim Ausklang in der SZ-Panoramalounge bot sich in entspannter Atmosphäre die Gelegenheit zum Netzwerken, Gespräche zu vertiefen und neue Perspektiven zu gewinnen.

Ein besonderes Highlight zum Abschluss war das gemeinsame Mitfiebern beim Spiel Bayern München gegen Real Madrid, das mit dem positiven Ausgang für die Bayern für beste Stimmung sorgte und den Abend perfekt abrundete.